
Die Start-up-Schmiede Rocket Internet verliert ihren größten Investor. Das schwedische Unternehmen Kinnevik hat seine Beteiligung in Höhe von 6,6 Prozent der Aktien des ehemaligen Partners veräußert und sich damit vollständig aus dem Berliner Unternehmen zurückgezogen.
Kinnevik-Ausstieg hatte sich im Februar angekündigt
Diese Entscheidung kommt nicht völlig überraschend. Schon im Februar hatte Kinnevik die Hälfte der eigenen Anteile verkauft und sich vorbehalten, die Beteiligung zu einem späteren Zeitpunkt weiter zu verringern. Mit dem Ende der dreimonatigen Sperrfrist, die kürzlich abgelaufen war, sah man diesen Moment nun offenbar gekommen. Zur Entscheidung dürfte auch beigetragen haben, dass die Aktie von Rocket Internet zuletzt auf über 20 Euro gestiegen war, nachdem sie über längere Zeit bei 16 Euro lag.
Rocket Internet von Rückzug offenbar überrascht
Begründet wurde der Rückzug mit Interessenkonflikten bei der Ausrichtung der Unternehmen. Weil Rocket Internet nicht mehr nur junge Firmen aufbaut, sondern auch in größere investiert, sei das Geschäftsmodell zu ähnlich geworden, so Kinneviks Interimschef Joakim Andersson. Also habe man mit dem Verkauf Gewinne realisieren wollen, um sie für neue Investitionen bereitzustellen.

Tatsächlich war die Zusammenarbeit mit Rocket Internet für Kinnevik ein lohnenswertes Geschäft. Ihre Gesamtinvestition in Höhe von 155 Millionen Euro konnten die Schweden mehr als versechsfachen. Dank ausgezahlter Dividenden und der Aktienverkäufe summierten sich die Einnahmen auf 936 Euro. Bei Rocket Internet schien man über diesen Schritt nicht informiert zu sein. Noch Ende vergangener Woche erklärte Unternehmenschef Oliver Samwer, nicht zu wissen, wann Kinnevik seine restlichen Aktien verkaufen wird.